Donnerstag, 11. September 2014

Rezension zu: Bea geht

Rezension zu "Bea geht" 

Quelle: Hier


Inhalt
Bea hat eine Behinderung. Doch welche und woher sie kommt, weiß man nicht.
Nach 13 Jahren täglicher Pflege sind ihre Eltern am Ende ihrer Kräfte. Sie überlegen Bea in ein Wohnheim zu geben.
Wie werden sie sich entscheiden?
Eine Geschichte mit viel Gefühl und schweren Entscheidungen.


Cover
Das Cover zeigt vermutlich Bea, wie sie in einem Auto sitzt. Es zeigt, wovon das Buch handelt und deutet eigentlich auch schon auf den Verlauf der Geschichte und die Entscheidung der Eltern hin.
Auf den ersten Blick ist Bea gar nicht anzusehen, dass Bea eine Behinderung hat. Doch durch eigene Erfahrungen, kann ich sagen, dass es oft so ist, dass man Kindern ihre Behinderungen nicht ansieht. Erst wenn man sie anspricht, oder sich länger mit ihnen beschäftigt, bemerkt man an ihrem Verhalten, dass sie nicht so sind, wie die „normalen“ Kinder.


Aufmachung des Buches
Das Buch ist in einzelne Abschnitte unterteilt, die aus Beas Leben erzählen und dementsprechende Überschriften enthalten. Es geht um Beas Therapien, die Zeit im Kindergarten, die Zeit in der Schule und um verschiedene Krankenhausaufenthalte, die sie in der Zeit ihres bisherigen Lebens über sich ergehen lassen musste. Es wird ausführlich beschrieben, wie die Eltern sich in der Zeit gefühlt haben und welche Höhen und Tiefen, Fortschritte und Rückschritte es gab.
Leider habe ich auch während des Lesens einige Rechtschreibfehler gefunden, die aber noch Problemlos verbessert werden können. Trotz der Fehler lässt sich das Buch problemlos und flüssig lesen.
Die Gefühle und Ängste der Eltern werden sehr schon beschrieben. Dabei unter anderem ihre Angst, dass ihr zweites Kind auch eine Behinderung haben könnte und wie ihr Leben dann wohl ablaufen wird.
Sehr interessant ist auch zu lesen, wie die Zeit vor Beas Auszug abläuft. Die Suche einer passenden Wohngruppe, der Papierkram mit den Ämtern und schließlich der Abschied von Bea und die Zeit nach ihrem Auszug in die Wohngruppe.
Das wurde ebenfalls in einzelne Abschnitte unterteilt und zeigt in Wochen und Monatsangaben das Leben der Eltern und ihre Gefühle nach dem Auszug ihrer großen Tochter und die Entwicklung des Verhältnisses zu ihr.


Meine Meinung
Das Buch vermittelt einen guten Einblick in die Gefühlswelt der Eltern, die von einen Tag auf den anderen, ein Kind mit Behinderung erziehen müssen. Ebenso werden der Tagesablauf und die Schwierigkeiten mit einem nicht gesunden Kind gezeigt und erklärt. Der Leser bekommt einen groben Eindruck davon, wie andere Familien mit dem Schicksal umgehen, ein Kind mit Behinderung zu haben und welche, manch schwierige, Entscheidungen getroffen werden müssen und welche Rückschläge man oft auch verkraften muss. Was auch gut ist, st dass sich davon berichtet wird, das die Eltern und Geschwisterkinder oft zurückstecken müssen, weil ihre Schwester/ihr Bruder mehr Aufmerksamkeit benötigen. So ist es auch bei Beas Schwester. Aber sie wurde sofort mit Beas Krankheit erzogen und hilft, wenn Bea einen Krampfanfall hat. Das ist, meiner Meinung nach, von der Familie sehr gut umgesetzt und im Buch schön erklärt.
Im gesamten ein interessantes Buch über den Alltag mit einem Kind mit Behinderung.

Leseprobe

8 Monate bis...

Eigentlich ist es Routine, dass Beas Neurologe sich von Zeit zu Zeit meldet, wenn wieder eine neue Krankheit entdeckt wurde, die eventuell auch auf Beas Symptome passen könnte.

Eine genaue Diagnose ist nach acht Jahren für uns zunehmend bedeutungslos geworden, solange sie nicht therapierelevant ist, also durch eine Änderung der Medikamente, eine Spezialdiät oder Behandlung tatsächlich zu einer Besserung ihrer Situation führen würde.

Doch dieses Mal ist alles anders und Bea ist gar nicht betroffen: Zwei neue Gendefekte wurden entdeckt und deren Symptome passen wieder einmal zur Hälfte perfekt auf Bea.

Eigentlich waren wir recht sicher, dass alle genetischen Ursachen ausgeschlossen worden waren, bevor wir die Entscheidung getroffen hatten, ihre Schwester zu bekommen. Jetzt stellt sich heraus, dass der gesunde kleine Zwerg möglicherweise ein glücklicher Zufallstreffer war und das Risiko einer Behinderung doch vorhanden ist. Ein Risiko - so waren und sind wir uns einig - das wir nicht eingehen wollten.

Der Schreck sitzt tief, quasi genetisches russisches Roulette mit einem Menschen-, einem Kinderleben gespielt zu haben, dass es nicht beabsichtigt war und wir im besten Wissen und Glauben gehandelt hatten, macht die Sache auch nicht besser.

Jetzt ist es ohnehin zu spät: Ihre Schwester ist längst geboren und gesund. Es war Glück, dass alles gut gegangen ist und wir sind wirklich dankbar dafür. Wir wollen kein zweites behindertes Kind, denn wir sind nicht sicher, ob wir noch einmal die Kraft aufbringen können, die in den letzten mehr als zehn Jahren notwendig war.

Wäre es dennoch passiert - hätten wir damit leben müssen und hätten dies vermutlich auch getan, denn eines haben uns die vergangenen Jahre gelehrt: Immer, wenn Du glaubst, dass es nicht weitergeht, dass Du an etwas zerbrichst, findest Du am Ende doch irgendwo die Kraft, um die Probleme durchzustehen.



Anmerkung: Diese Rezension war damals schon auf meinem ehemaligen Blog "In eigener Welt" veröffentlicht. Also wundert euch bitte nicht, wenn ihr die Rezi schon kennt.

Kommentare:

  1. Hey,
    ich habe ich für den "Liebsten-Award" nominiert.
    Hier findest du die ganzen informationen dazu:
    http://dvlightful.blogspot.de/2014/09/liebster-award-nominierung.html

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  2. Hallo Sebastian :)

    Finde ich sehr gut geschrieben und bringt mich wieder zu dem Film: Honig im Kopf.

    Ist man wirklich so schlimm, wenn man sagt, man gibt seinen Vater oder in diesem Fall sein Kind in Pflege? Ich weiß es nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass man wirklich am Ende seiner Kräfte ist und dann Entscheidungen treffen muss.

    LG Danni

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    1. Hallo Danni,

      danke für dein Kommentar =)

      Nunja, schlimm ist man nicht.
      Es gibt nur viele Menschen, die solche Entscheidungen nicht nachvollziehen können, weil sie nicht wissen wie es ist einen solchen Alltag mit einem behinderten Kind zu meistern.

      Ich selber habe einige Jahre mit Kindern mit Behinderung gearbeitet und kann dir sagen: das kann verdammt anstrengend sein. Sowohl psychisch als auch physisch.
      Da muss man echt starke nerven haben. Aber dennoch habe ich die Arbeit immer geliebt.

      Liebe Grüße
      Cosmic / Viviann

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